Sep 21 2015

Ohne Strategien zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit werden im Jahr 2030 noch über 200 Millionen Menschen in extremer Armut leben, warnt die Entwicklungsorganisation Oxfam in einem kürzlich veröffentlichten Hintergrundpapier „Inequality and the End of Poverty“. Damit wäre das Ziel, bis 2030 extreme Armut vollständig zu beseitigen nicht umsetzbar.

Oxfam hat anhand von Daten der Weltbank berechnet, dass selbst bei optimistischen Wachstumsprognosen bei der derzeitigen Verteilung der Mittel nicht genug bei den Ärmsten ankommt. Zur Erreichung des Ziels ist es notwendig, dass die Einkommen der Ärmsten überdurchschnittlich steigen.

„Wir können extreme Armut beenden, aber dafür müssen wir die Verteilungslücke zwischen den Reichen und dem Rest schließen“, erklärt Tobias Hauschild von Oxfam Deutschland. „Die Gewinne aus wirtschaftlichem Wachstum sickern nicht von selbst zu denen durch, die sie am dringendsten brauchen. Sie fair zu verteilen, ist eine politische Entscheidung, die jetzt getroffen werden muss“, so Hauschild. 

Es kommt auf eine faire Verteilung von Ressourcen sowohl innerhalb der Gesellschaften als auch zwischen dem globalen Norden und Süden an. Aber die dafür notwendige globale Partnerschaft, die die UN als Ziel festgeschrieben haben, ist vorerst nicht im Ansatz erkennbar. So weigern sich die Industrieländer, inklusive Deutschland, einer Aufwertung der UN-Gremien im Bereich der internationalen Steuerpolitik zuzustimmen. Globale Steuerregeln, wie zum Beispiel die Eindämmung der Steuervermeidung von multinational tätigen Unternehmen, die Entwicklungsländer jährlich mindestens 100 Milliarden US - Dollar an Steuereinnahmen kostet, verhandeln sie lieber im Rahmen der OECD.

Auch bei der Entwicklungshilfe sei man von einer globalen Partnerschaft meilenweit entfernt. “Die Zusage der reichen Länder, erst bis 2030 die lange versprochenen 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, ist vollkommen inakzeptabel. Wenn man die SDGs und die Beseitigung der Armut bis 2030 wirklich ernst nimmt, muss auch Deutschland schnellstmöglich die Entwicklungshilfe von derzeit 0,41 Prozent auf 0,7 Prozent des BNE erhöhen und dafür einen nationalen Stufenplan mit Zwischenschritten aufstellen“, erklärte Hauschild.

Quelle: Projekt "Deine Stimme gegen Armut - Entwicklung braucht Beteiligung"